Wasserrohrbruch beim Dichter

Gedichte/Lieder, Literatur |

 

Rissige Bäche fließen die Wand von Marmor entlang

Reißende Wände öden nässern in der Landschaft

Da vorne ein Baum, grün schüttelig

Es sind fünf, von Weitem wie einer

Der Elektriker mag das Bad nicht reparieren

Der Klempner fällt morgen den ersten von Fünfen

Unser Pfarrer ist auf Reise

Geschäftlich heute in Malaria, morgen wieder weg

Der Bürgermeister kriegt das größte Stück

Vom Ochsen, den der Maler geschlachtet hat

 

Leierne Äste huscheln in der Sonne

Pappig fläzen Büschel im Guss

Alles wispert, wispelt wie früher

Die Bäume rascheln sich wiegend

Mein Friseur hat keine Brezn mehr

Mein Gärtner putzt das Dach nicht aus

Unser Arzt muss in Afrika shuttlen

Schwarze zu Weißen und Weiße wohin

Einen beurkundet der Flößer noch

Bevor er sich aufmacht auf Pizza zum Anwalt

 

Als die Fäden der Sonne hereinziehen

Und Menschen vom Dorf in die Stadt fliehen

Massen von Wasser aus der Wand sprudeln

Menschen träge aufs Land zurücktrudeln

Ein kurzzeitiges Versehen hat sie hierhergetrieben

Müll und betonüberzogene Plätze sind geblieben

Sitze ich beunterhost nur hier alleine

Die grünbestrahlten Bäume wiegen im Wind und ich weine

Um mich herum sind lange keine Wände mehr

Nichts unterscheidet das drinnen vom draußen

Und ich bete, nein wünsche so sehr

Man lasse mich hier in der Ödnis hausen

Alle Entscheidungsträger sind verreist

Keiner wird helfen, das sprudelnde Rohr zu richten

Angeblich wurde bereits der Ochse verspeist

Es ist wohl an mir, es und sie zuzudichten

 

Dieses Gedicht entstammt dem Gedichtband Flieh in die Welt