Der fette Tourist und die Heuchler (Narcos)

So banal endet also der Schrecken: Ein fetter Tourist hockt auf einer Parkbank und unterhält sich mit seinem besten Freund. Ein schönes Gespräch über vergangene Zeiten, zart nostalgisch, von gegenseitigem Verständnis getragen, aber auch von einer Verwunderung darüber, was aus beiden geworden ist. Der Freund, voll im Saft, kaum gealtert, sieht aus wie Che Guevara zu seinen besten Zeiten. Der andere sieht aus, als hätte er Che Guevara gegessen. [weiterlesen]

Schon wieder Auferstehung (Skyfall)

Ich hätte nicht gedacht, einmal etwas über einen James-Bond-Film schreiben zu können oder sagen wir lieber: etwas schreiben zu können, woran ich gedachte habe, während ich einen James-Bond-Film gesehen habe. Skyfall ist ein wirklich gelungener Film, ein Requiem auf ein lang zum Klischee gewordenes Symbol der Popkultur, die aus Perspektive der Kunst bzw. des Absoluten natürlich eine Kultur des Verfalls ist, der Inhaltsleere und der durch sie zu einem schlechten Witz hochgejodelten Selbstreferenz. Das Requiem, mit dem wir es hier zu tun haben, und das erklärt wahrscheinlich auch seinen Erfolg, ist keines, das den Untergang oder den Tod in seinen Mittelpunkt stellt, sondern die Auferstehung. Entsprechend sind die Rollen von Gut und Böse verteilt, wenn man diese überkommen geglaubten Begriffe noch benutzen darf. [weiterlesen]

Wer Visionäre zum Arzt schickt, muss sterben (Take Shelter)

Take Shelter ist ein eigentlich schon 2011 erschienener Film, der sich Stück für Stück durch die Kinosäle der Welt geschleppt hat und es zu einiger, aber letztlich leider zu geringer Bekanntschaft gebracht hat. Er ist die zweite Zusammenarbeit des jungen Regisseurs Jeff Nichols mit dem Hauptdarsteller Michael Shannon (eine dritte ist in Planung) und handelt von einem Bauarbeiter irgendwo in der Prärie der USA, der von apokalyptischen Visionen heimgesucht wird und in einem Balanceakt zwischen realer Bedrohung und Geisteskrankheit seine Familie zu schützen versucht. In Nichols und Shannon scheint sich eine weitere höchst vielversprechende Regisseur-Schauspieler-Allianz zu formen, die anders als ähnlich frohgemut stimmende Paarungen wie Refn/Gosling, McQueen/Fassbender oder auch Tarantino/Waltz ohne europäische Prägung daherkommt.

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Ein wahrer Freund (Sherlock, The Reichenbach Fall)

Wo führt die Liebe hin (Shame)

Am Ende muss Blut fließen, tausendsechshundert Stadien weit (Quentin Tarantino)

Die Zeit hat sich verändert (Drive)

Verdummung durch Freiheit (Wag the Dog)

Tyrannenmord am Kitschsystem (The Ides of March)

Freud die Form, Jung der Inhalt (A Dangerous Method)

Melancholie auf Kunstsee (The Life Aquatic with Steve Zissou)

Das Wesentliche ist für die Wissenschaft unsichtbar (Breaking Bad)

Bewusste Naivität (Eternal Sunshine of the Spotless Mind)

Unerwartet Kunst (Bob Dylan in München)

Wir sollten mal lieben (A Serious Man)

Letzte Hoffnung Weltuntergang (Melancholia)

Wo all die guten Leute hin sind (Margin Call)

Der wahre Künstler macht keine Kunst (Man on the Moon)

Umgekehrter Idealismus (Inception)

Europa und der Tod der Postmoderne (Inglourious Basterds)

Appell an den Einzelnen (The Social Network)

Geregelte Regellosigkeit (The Dark Knight)

Kunst und Geisteskrankheit (Black Swan)

Was hier mit Kunst und Leben gemeint ist