Was ist Philosophie ist Philosophie

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Typisch für die Philosophie ist die Reflexion auf ihre eigene Berechtigung. Kein anderer Bereich, der landläufig als zumindest irgendwie wissenschaftlich angesehen wird, muss sich in jeder konkreten Frage mit dem ganz Allgemeinen beschäftigen.

Medizinische Arbeiten fangen nicht mit der Frage an, was Medizin eigentlich ist, ob es sie gibt und gegebenenfalls, was sie darf (außer sie behandeln medizinphilosophische Themen). Ebenso scheint die Ökonomie sich nicht bei jeder Gelegenheit selbst zu hinterfragen – wenngleich man sich hier manchmal ein wenig mehr Selbstreflexion wünschen würde. Entsprechend dieser Selbstreflexivität ist die Philosophie, zumindest in der Moderne, eine zuvörderst destruktive Angelegenheit. Bei den meisten Denkern der letzten Jahrhunderte geht es vor allem um die Frage, was man eigentlich alles auf dem Feld der Philosophie nicht herausfinden kann, und das – auch wieder eine (unsinnige?) Erkenntnis – ist erstaunlich viel. In der sehr auf Nutzen und schnelle Ergebnisse getrimmten Zeit der Moderne und dem, was danach kommt, hat eine so fragile Disziplin einen eher schweren Stand.

Während die meisten anderen Denkarten in einem mehr oder minder klar und überschaubar abgesteckten Rahmen sich abspielen und die erzielten Ergebnisse dann gute sind, wenn sie hierin plausibel dargestellt werden können, hinterfragt der moderne Philosoph gerade den Rahmen die ganze Zeit – und damit seine eigenen Existenzberechtigung. Wahrscheinlich – und das werden viele Zyniker, die es sich gemütlich eingesüppelt haben in der Welt um sich herum, dem Hinterfrager vorwerfen – wird es nie endgültige Ergebnisse geben. Vielleicht ist alles ein stupides Anrennen gegen einen unhintergehbaren Horizont aus mindestens leicht Widersprüchlichem und wir müssten uns, wenn wir denn Fragende sind, damit abfinden, dass unsere Denkkapazitäten offenbar nicht mit der Welt, in der wir leben, zusammengehen. Vielleicht ist aber auch gerade dieses unsinnig anmutende Streben das besondere an uns – wo auch immer wir uns von anderen abgrenzen. Im Bezug auf allerletzte Fragen können wir, nach allem, wie wir modernen Philosophen denken, keinen neutralen Standpunkt einnehmen, wir können nicht objektiv unterscheiden. Ich halte es für essentiell, weiterzustreben, sich nicht alle Luft zum Atmen von Ökonomen nehmen zu lassen, die das Leben auf ergebnisorientierte Dualismen herunterbrechen, und auch nicht von Physikern, die Zeit und Raum aus den Gleichungen nehmen, bis nur noch elegant stimmiges Nichts übrigbleibt. Diese Polemik ist mir, ich hoffe, im Dienste einer höheren Sache erlaubt. Auf die Frage: Was ist Philosophie? gibt es keine Antwort, ist eine erste Antwort auf die Frage: Was ist Philosophie?

Hier finden sich vor allem kleine Essays über philosophische Denker vornehmlich des 20. Jahrhunderts und ihre Denkansätze, die bestenfalls diese Denker in ein einigermaßen verständliches und interesseanregendes Licht rücken.

Falls auf dieser Seite, in welcher Kategorie auch immer, philosophische Anschauungen auftauchen oder gar eine in sich stimmige Weltanschauung durchschimmern sollte, sei dem hierdurch vielleicht zunächst verunsicherten Leser versichert, dass es sich hierbei um die genuinen Ansichten des Autors handele, diese also, etwas übers Knie gebrochen: meine sind. Wenngleich dem Autor der Weg zu diesen Ansichten nicht durch eine wissenschaftlich tiefensaubere Methode gewiesen ist, folgt er doch einem benennbaren Vorgehen, das einer Methode stark ähnelt. Immer dann, wenn sich nach der Erfahrung des Autors hinsichtlich eines Themas alle unhinterfragt einig zu sein scheinen, wird er stutzig und beginnt seinerseits, zu hinterfragen. Man könnte diese “Methode”, wäre es nicht so albern, negativ-aristotelisch nennen.